Kein Kuchen für „uns“

Aus meinen Entwürfen
Ich stehe vor der Haustüre. Mein Schlüssel fühlt sich kalt und schwer in meinen warmen Händen an. Meine Wangen sind gerade getrocknet, aber die Rötungen konnte ich nicht verstecken. Ich stecke den Schlüssel ins Schlüsselloch und drehe ihn langsam und bedächtig um. Mit einem leisen „Klick“ geht die Türe auf und schon schlägt mir Wärme ins Gesicht. Meine Brille beschlägt, ich nehme sie schnell ab und atme noch einmal tief ein, bevor ich den Flur betrete. Als ich die Türe hinter mir schließe ist es plötzlich seltsam still. Das Zwitschern der Vögel verstummt, ebenso wie der Wind und die Unterhaltung der Nachbarn im Vorgarten. Mit der Stille wird es auch in mir ganz leer. „Ich hab Kuchen für euch zwei!“, tönt es dann aus der Küche. Die Stille ist damit zerrissen und an ihre Stelle ist leises Gemurmel getreten. Doch die Leere in mir ist keineswegs verschwunden, sie hat sich um ein vielfaches vergrößert und nimmt immer mehr von mir ein. Kuchen für uns zwei. Klingt gut. Aber uns zwei, so wie du uns kanntest, gibt es seit ungefähr einer Stunde nicht mehr. Es gibt jetzt ihn. Und es gibt mich. „Uns“ gehört jetzt der Vergangenheit an. Die bittere Erkenntnis lässt die Leere weiter wachsen bis sie mich komplett unter ihrer Kontrolle hat.

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