Mein 2020 war nicht lang genug

Überall lese ich Aussagen wie „2020, das Jahr, dass nicht zu Ende geht“ oder „2020- das längste Jahr überhaupt“ aber irgendwie kann ich diesen Aussagen nicht zustimmen. Klar gab es in diesem Jahr Episoden, die schier unendlich erschienen, wie beispielsweise der eine Monat von Mitte März bis Mitte April. Eine Zeit, in der alles in der Schwebe hing und nicht klar war, wie sich unser gesellschaftliches Leben in diesem Jahr verändern würde. Die ersten Konzerte wurden verschoben, Veranstaltungen abgesagt, Geschäfte geschlossen und das Sommersemester komplett umgeplant. Plötzlich sprachen alle von Online Kursen und Zoom Meetings, dabei hatte ich mich so auf meine Kurse in Präsenz gefreut. In dieser Zeit blieb die Zeit regelrecht stehen. Doch sobald das Semester angefangen hatte, ging der Stress wieder los und die Zeit verlief viel schneller, so als versuche sie die verlorengegangene Zeit wieder reinzuholen. Das Semester hatte gerade begonnen und schon war es schon wieder vorbei. Die 13 Wochen kamen mir vor als seien es 3 gewesen. Die Semesterferien verliefen nicht weniger schnell- wir hatten 3 1/2 Monate frei. Das ist eine unfassbar lange Zeit. Und was habe ich in dieser Zeit gemacht? Ich war ein paar Mal am See, habe ein paar Bücher gelesen, einmal das Meer und einmal Berge gesehen. Und doch schienen diese Monate viel zu endlich und schon begann das Wintersemester. Die erste Woche zog sich gefühlt über Wochen. Die Stimmung war gedrückt und keiner hatte mehr Lust auf WebEx oder Zoom Meetings. Doch kaum war diese Woche um, verliefen die Wochen ineinander und auf einmal ist es Weihnachten. Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester verstreicht eh als wäre es nur ein großer Tag und jetzt ist es Silvester.
Und ich frage mich, wieso alle davon reden, dass dieses Jahr so lang gewesen sei. Mein Jahr war nicht lang. Mein Jahr war nicht lang genug, um all das, was in diesen 366 Tagen passiert ist zu verarbeiten. Mein Jahr war nicht lang genug, um mit Trennungen und Corona-Viren umzugehen. Mein Jahr war nicht lang genug, um Freundschaften wieder neu aufleben lassen zu können oder Menschen aus meinem Leben zu streichen. Mein Jahr war nicht lang genug um alle Bücher zu lesen, die ich lesen wollte und um alle Tränen zu weinen, die ich weinen muss (auch wenn es definitiv genug waren). Mein 2020 war nicht lang genug, aber ich bin froh, dass es vorbei ist.

War euer 2020 zu lang oder geht es euch wie mir und euer 2020 war nicht lang genug?

9 Gedanken zu “Mein 2020 war nicht lang genug”

  1. Also ich bin auch nur so durchs Jahr gerauscht. So viel gearbeitet wie noch nie, so wenige Ablenkung wie nie zuvor und jeden Tag von tausenden Fakten, Daten, Diskussionen in die Birne rein …
    Verdammt kurz das Jahr, für soviele Geschehnisse.
    Guten Rutsch

    Gefällt 2 Personen

  2. Weder zu lang noch zu kurz – aber irgendwann in der Phase der ersten Entschleunigung verlor man ein wenig die Orientierung, fand ich, gerade die Wochentage betreffend. 🙂 Und bei vielem war es ja auch plötzlich egal, ob man es heute oder morgen machte. DAS fand ich irgendwie strange. Ich habe dann die Arbeit betreffend alles so weit gemacht, wie ich es machen konnte und so weit, daß es am Tag X dann gleich losgehen kann.

    Hab‘ ein gutes, spannendes und vor allem gesundes neues Jahr!

    Gefällt 1 Person

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