Romantisierung eines Juliabends

Es ist ein lauer Juliabend und so sitzen wir am See, während die Sonne langsam untergeht. Dieser Abend ist ein Abend voller Spontanität und wahrscheinlich genau deshalb so besonders. Ungefähr eine Woche zuvor habe ich mir eine Sommer To-Do Liste gemacht und alleine dadurch, dass wir den Abend am See verbringen haben wir schon einen Punkt auf dieser Liste abgehakt. Wir haben bunte Plastikbecher, klebrige Softdrinks und herbe riechenden Alkohol dabei. Schon nach den ersten paar Schlucken schwindet jedes noch so kleine Gefühl der Verklemmung und die Gespräche führen sich wie von selbst. Zwischendurch bekommen wir Besuch von ein paar Gänsen, die sich nicht so einfach abschütteln lassen und viel zu wenig Respekt vor uns haben. Was uns wiederum Respekt vor ihnen einflößt. Irgendwann fragst du, ob wir schwimmen gehen wollen. Wie schwimmen gehen? Dafür ist es doch viel zu kalt und wir haben weder Badesachen, noch Handtücher dabei. Und so tue ich diesen Vorschlag erst einmal ab. Doch so ganz scheint dir dieser Gedanke nicht aus dem Kopf gehen zu wollen und auch in meinem Kopf hat er sich festgekrallt. Ich wiege die Vor- und Nachteile ab und beschließe: Lass uns schwimmen gehen. Du siehst überrascht von meiner Zustimmung aus, doch die Überraschung hält nur so lange, bis ich aufgestanden bin um mir meinen Pulli auszuziehen. Ich merke schon als der Pullover fehlt, dass mir später definitiv kalt sein wird. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Als auch meine Hose und meine Socken im Sand liegen setze ich den ersten Fuß ins Wasser. Es ist kalt. Und wenn ich sage kalt, dann meine ich wirklich kalt. Ich überlege wie gut die Chancen stehen, dass ich jetzt doch noch einen Rückzieher machen kann, schätze sie allerdings sehr gering ein und mache so einen weiteren mutigen Schritt in den kalten See, auf dessen Oberfläche sich das Rot des Abendhimmels spiegelt. Es dauert einige Minuten bis ich mich überwinden kann komplett ins Wasser zu gehen, aber als ich es geschafft habe fühlt es sich friedlich an. Stille. Es ist kaum noch jemand am See, die Musik, die zuvor noch ein paar Meter weiter zu hören war ist verstummt und auch das Lachen der Anderen ist nicht mehr zu hören. Ich lasse mich auf dem Rücken treiben und beobachte, wie sich das Rot langsam in ein Orange verwandelt und der Himmel immer dunkler wird. Es fühl sich an, als wäre ich gar nicht mehr ich; viel mehr, als wäre ich weiter oben und als könnte ich durch nichts aus der Ruhe gebracht werden. Bis du dich mir näherst und mich plötzlich unter Wasser tauchst. Ich tauche wieder auf und funkel dich an, während du nur verschmitzt grinst. Dann setzte ich zum Gegenangriff an.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s